Geburtstagsgedanken

Und wieder ist ein Jahr vergangen …

Wissen Sie, ich wollte nie einer dieser Menschen werden, die jedes Jahr an ihrem Geburtstag darüber klagen, älter zu werden. Ich hatte nie Probleme mit dem Älterwerden, da ich mich selbst die meiste Zeit sehr jung fühle.
Doch heute werde ich 28 Jahre alt. Achtundzwangzig. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das sind zwei Jahre vor der großen, bösen Dreißig. (Die Älteren unter meinen Lesern dürfen jetzt gerne herzhaft über mich lachen.) Eine Zahl, bzw. ein Alter das ich niemals als groß und böse wahrnehmen wollte.

Und jetzt? Jetzt fürchte ich sie eben doch.

Als Kind und Jugendliche konnte ich mir nie vorstellen, dass man wirklich älter als fünfundzwanzig werden kann. Vielleicht, weil mir vorausschauendes Denken nicht besonders liegt. Das fängt schon beim Autofahren an und endet beim Wocheneinkauf. Ich lebe im Hier und Jetzt. Wenn mir jetzt eine scheinbar gute Idee kommt, z.B. spontan diesen Blogbeitrag zu schreiben, dann mache ich das. Und wenn sich diese Idee als weniger gut entpuppt, dann bereue ich sie eben.

Mal mehr, mal weniger.

Auf diesem Wege habe ich also über die Fünfundzwanzig hinaus gelebt und keine Ahnung, was als nächstes kommt.
Und darin liegt vermutlich auch der Grund, warum mir die Achtunfzwanzig solche Bauchschmerzen bereitet: Ich habe keine Ahnung, was die Zunkunft für mich bereithält. Die meisten meiner Freundinnen und Freunde haben jetzt eine abgeschlossene Ausbildung oder beenden gerade ihr Studium. Denken allmählich ans Heiraten, Haus bauen, Baum pflanzen und Kinder kriegen.
Ich aber habe bereits zwei Kinder, bin verheiratet, habe keine abgeschlossene Ausbildung, träume von einem kleinen Haus und habe immerhin schon einen Baum gepflanzt. Eine Kastanie.
Ich kann nicht behaupten, unglücklich zu sein. Ganz im Gegenteil. Ich befinde mich in der besonderen Situation, meinen Traum leben zu können. Ich darf schreiben. Der einzige, winzig kleine und schmerzhafte Haken daran ist jedoch, dass ich zunächst kein bisschen zu unserem Familieneinkommen beisteuern kann. Für meine Familie ist das kein Problem, sie unterstützt mich. Aber für mich.
Ich habe mit vierzehn Jahren begonnen, mein eigenes Geld zu verdienen und erst zehn Jahre später damit aufgehört. Etwa zu dem Zeitpunkt, als alle anderen damit anfingen. Und es nagt an meinem Ego.

Geld ist nicht alles, aber leider verdammt viel. Ohne es zu wollen, definiere ich mein Selbstwertgefühl darüber. Es geschieht unbewusst. Ich weiß theoretisch, dass ich ebensoviel leiste, wie andere auch. Dass ich, besonders für meine Familie, Arbeit leiste, die nicht in Geld aufzuwiegen ist. Und dennoch nagt jeden Tag der Zweifel an mir. Es ist das Gefühl, abhängig zu sein, nichts erreicht zu haben, weil ich kein hübsch bedrucktes Blatt Papier vorweisen kann, auf dem mir mein Hochschulabschluss bescheinigt wird. Oder ein schlicht bedrucktes Blatt Papier, das mir am Ende des Monats satte Zahlen präsentiert.

Ich habe derzeit nur viele Blätter Papier mit Worten darauf. Langen, kurzen, prallen, schwachen, schönen und weniger schönen Worten. Einundsechzig Normseiten mit meinen Worten. Sie sind zur Zeit, mein ganzer Stolz und meine Hoffnung, irgendwann vielleicht wieder auf eigenen Füßen stehen zu können.

Ich bin gespannt, was das nächste Jahr bereit hält. Für mich und für Sie, meine werten Leser.